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Ehrliche Antworten aus unserer Praxis auf Fragen der Crew:

Geht das gut, wenn lauter fremde Leute an Bord eng zusammenleben sollen: erfahrungsgemäß “ja”

Anzahl von Gästen, die wegen “atmosphärischer Störungen” den Törn abgebrochen haben: 0

Anteil der Gäste, die am Törnende nicht abreisen wollen: 95%

Anteil des tatsächlich genutzten Urlaubsgepäcks: 40%

Familiennachwuchs made at “Searover”: 2

Anzahl unheilbarer Seekranker: 1

Anzahl von “Mann über Bord”-Vorkommen: 1

Anzahl Stunden unter Motor pro Törnwoche: 15 - 25

Wahrscheinlichkeit, auf Delfine zu treffen: Durchschnittlich 1 mal pro Woche

Worauf Sie verzichten müssen: 5 Sterne Hotelservice, Klimaanlage, Fernsehen, Haarföhn oder ähnliche Stromfresser und turbulentes Nachtleben

 

Bordkasse:
Anfallende Kosten während des Törns tragen die Teilnehmer/innen gemeinsam (Bordkasse). Das sind: Lebensmittel für die Verpflegung an Bord, Liegebühren in Häfen (zwischen 5 und 50 €/Tag, Ankern in Buchten ist kostenfrei), Diesel für die Yacht (ca. 40-60 €/Woche). Zu diesem Zweck wird zu Beginn des Törns eine Bordkasse eingerichtet, aus der all diese Kosten bestritten werden. In die Bordkasse zahlt jede/r Teilnehmer/in den gleichen Betrag ein (ca. 75-100 €/Woche). GrillDer Skipper wird an Bord aus der Bordkasse mitverpflegt, in die er (wie üblich) nicht einzahlt. Die Mahlzeiten an Land in Tavernen zahlt jeder selbst, auch der Skipper. Für gewöhnlich gehen wir 3-4 mal pro Woche abends zum Essen. In Griechenland muss man dafür ca. 10-15 €/pro Person und Essen inkl. 1 Getränk rechnen.

 

Die Enge an Bord ...
ist nicht so schlimm, wie manche Landratten es gerne erzählen. Fest steht aber auch: Segelurlaub bedeutet "Camping auf dem Wasser", und auf einer Segelyacht ist es naturgemäß etwas enger als im Hotel.
Daher muss jeder etwas mehr auf "Ordnung" (klar Schiff) und Sauberkeit (rein Schiff) achten.
Es wird eine Sicherheitseinweisung vor Törnbeginn vorgenommen, und es ist auch sehr hilfreich, wenn man sich als Mitsegler/in bereits zu Hause ein wenig mit den begrenzten Möglichkeiten und Notwendigkeiten auf einer Segelyacht auseinandersetzt.

 

Alle kleben ständig auf engem Raum zusammen?
Keineswegs, denn wir sind jeden Abend in einer Bucht oder in einem netten Hafen, da kann sich jeder die Füße vertreten - niemand ist also "tagelang an Bord", denn wir überqueren ja nicht den Atlantik, sondern segeln in Tagesetappen von Insel zu Insel.

 

Wer macht die Törnplanung?
Die Törnplanung ergibt sich im groben aus unserem Ziel am Ende der Woche. Die in den Törnbeschreibungen veröffentlichte Route ist auf den zu erwartenden Wind, das Wetter und die Welle abgestimmt. Für die Tagesziele gibt es fast immer mehrere Alternativen zur Auswahl, fast jede hat Vor- und Nachteile, und je nach dem, wie die aktuellen Kompass02Wind- und Wetterverhältnisse sind, kann eine Tagesetappe, eine geplante Bucht oder ein Wunschhafen plötzlich nicht mehr sinnvoll oder sicher sein. In diesem Fall werden die jeweils in Frage kommenden Möglichkeiten gemeinsam besprochen und unter Berücksichtigung der genannten Parameter das neue Ziel so ausgewählt, dass der Tag bzw. Törn möglichst angenehm für alle Mitsegler/innen und möglichst sicher verläuft. Ändern sich die Verhältnisse tagsüber, kann auch das Tagesziel kurzfristig zu Gunsten der Sicherheit geändert werden.
Es gibt also keinen verbindlichen "Fahrplan" mit garantierten Häfen oder Buchten. Sicher ist nur, wann und wo wir lossegeln, und dass wir am geplanten Termin im genannten Zielhafen kommen. Was dazwischen liegt, ist variabel und richtet sich nach den Gegebenheiten.

 

Süßwasser: Für den normalen Süßwasserbedarf (Zähneputzen, Waschen, Abspülen) haben wir 900 Liter Wasser an Bord, aber mit 6-8 Personen wird schnell klar, dass auch ein größerer Tank nicht lange hält - daher ist sparsamer Umgang mit Wasser wichtig!
In Griechenland sind manche Inseln völlig ohne eigenes Wasser, auch das Wasser, das die Einheimischen benötigen, wird dann per Tankschiff angeliefert. Daher ist das Befüllen des Wassertanks auch relativ teuer, sofern es überhaupt möglich ist!
Man muss deswegen nicht verzweifelt jeden Wasserverbrauch an Bord vermeiden, aber man kann durchaus etwas "bewusst" mit den doch begrenzten Ressourcen umgehen, z. B. das Wasser beim Zähneputzen nicht laufen zu lassen, beim Duschen sparsam zu sein, beim Abspülen nur die benötigte Menge Wasser ins Waschbecken zu füllen, statt unter fließendem Wasser abzuspülen usw.

 

Bordschuhe:
Landschuhe sollten vor Betreten des Schiffes ausgezogen werden, da immer kleinste Steinchen und Sand oder anderer Dreck daran hängen, die sich dann über das ganze Schiff verteilen und am Schluss den Weg bis in die Koje finden. Man kann barfuß segeln oder Bordschuhe tragen.  Empfehlenswert sind Schuhe mit weißen Sohlen und ohne Profil.

 

Koffer und Taschen:
Bitte keinesfalls mit Koffern anreisen! Wir können diese an Bord nirgends stauen, und es ist deswegen notwendig, faltbare Taschen oder Seesäcke zu verwenden, die man nach dem Auspacken klein zusammenfalten kann.

 

Seekrankheit und was man dagegen tun kann:
Für viele Erstmitsegler/innen ist Seekrankheit die größte Angst! Seekrankheit entsteht, weil das Gleichgewichtssystem im Ohr durch die ständige ungewohnte Bewegung überreizt wird. Das vegetative Nervensystem fängt an zu streiken. Daher wird einem schlecht, man wird müde und will sich hinlegen, meist muss man sich auch übergeben. Oft wird dies auch ausgelöst durch die (unbegründete) Angst, das Schiff könne (beim Segeln) umfallen.SR-im-Sturm
Viele Menschen glauben auch, durch Motorfahrt würde es besser - das ist jedoch ein Irrtum, denn: in Motorfahrt bewegt sich das Schiff sowohl entlang seiner Längs- als auch seiner Querachse, es "dreht" sich also, was dann zu noch mehr Irritation des Gleichgewichtssystemes führt. Im Gegensatz dazu reduziert der Winddruck beim Segeln die Querbewegungen; das Schiff schaukelt nur entlang der Längsachse und bewegt sich insgesamt weicher und harmonischer mit der Welle. Zudem ist Motoren bei viel Wind oft langsamer als Segeln. Aber da die Yacht beim Segeln "schräg" liegt, denken viele, dass es besser würde, wenn sie wieder "gerade" ist, also motort wird.
Wer sich einmal die Druckverhältnisse beim Segeln anschaut und weiß, dass eine moderne Segelyacht nach dem Stehauf-Männchen-Prinzip konzipiert ist und deshalb kaum "umfallen" (kentern) kann, gewinnt schnell die Erkenntnis, dass "schräg segeln" keinen Grund zur Unsicherheit darstellt, im Gegenteil. Oft geht es dann besser, oder das Unwohlsein verschwindet völlig. Trotzdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen das unerwünschte Unwohlsein zu unternehmen:
Hochseeyacht303

  • Chemische Präparate (Tabletten) gibt es in jeder Apotheke. Sie nutzen jedoch leider nur etwas, wenn man sie vor dem Start der Tagesetappe nimmt, also noch bevor man weiß, ob einem überhaupt schlecht wird. Außerdem verschläft man dafür den halben Tag, da diese Präparate sehr müde machen.
     
  • Mit Akupressurarmbändern (im Segler-Fachhandel erhältlich) haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Der in das Armband eingearbeitete Knopf stimuliert über einen Druckpunkt am Handgelenk das Gleichgewichtsorgan ohne Nebenwirkungen (funktioniert ähnlich wie die Akupunktur).
     
  • Auch ein spezieller Kaugummi gegen Seekrankheit (Superpep, rezeptfrei in der Apotheke) hilft vielen Seekranken. Sie werden erst gekaut, wenn man das mulmige Gefühl in der Magengegend spürt (nicht zu lange warten!). Der Wirkstoff wird über die Mundschleimhäute innerhalb weniger Minuten vom Körper aufgenommen.
     
  • Vitamin C:Obst
    Neuste Forschungen haben ergeben, dass die Ausschüttung von Histaminen im Körper die Seekrankheit fördert. Ähnlich wie bei Allergien, wo auch Histamine ausgeschüttet werden, soll dies auch bei Seekrankheit der Fall sein. Bestimmte Lebensmittel wie
    Spinat, Tomaten, Rotwein usw. fördern die Ausschüttung. Nimmt man Vitamin C in hoher Dosis (Brausetabletten) zu sich, werden die Histamine abgebaut. Wir haben gute Erfahrungen mit Vitamin C gemacht und führen diese seitdem immer an Bord. Sollte man zuviel Vitamin C zu sich nehmen, schwemmt der Körper diese einfach wieder aus. Der Körper kann das Vitamin nicht speichern, es ist ohne Nebenwirkungen.

 

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Letzte Aktualisierung am: 20.12.2011